Verhandlungsführer Dieckmann: „Angebot Zeichen unseres Einigungswillens“
Dietzenbach (Lkr. Offenbach): Das zweite Treffen in der Tarifrunde für die Textilen Dienstleistungen stand ganz im Zeichen der wirtschaftlichen Krisensituation in Deutschland. Das dritte Rezessions-Jahr hat schwerwiegende Folgen für die Branche: Industriebetriebe schließen und bauen Mitarbeiter ab. Auch das Handwerk kriselt. Alle brauchen deshalb weniger Berufsbekleidung, Schmutzfangmatten und Maschinenputztücher. Aber auch Krankenhäuser schließen, der Preiskampf in der Pflege wird immer härter, die Pleitewelle in Hotellerie und Gaststätten ist längst nicht gestoppt mit all den negativen Auswirkungen für Unternehmen, die Wäsche vermieten und waschen. Sie stehen extrem unter Druck. Hinzu kommt, dass Textile Dienstleistungen besonders lohnintensiv sind und auch unter den hohen Energiekosten leiden. Kostensteigerungen, die angesichts des harten Wettbewerbs in der Branche – insbesondere mit nicht tarifgebundenen Unternehmen – nicht an die Kunden weitergegeben werden können.
Dennoch haben die Arbeitgeber für ihre rund 13 000 Beschäftigten ein erstes Angebot unterbreitet. Das Angebot sieht Folgendes vor:
- 28 Monate Laufzeit (01.06.2025 – 30.09.2027)
- Erhöhung zum 01.03.2026: 1,5 %
- Erhöhung zum 01.03.2027: 1,5 %
- Überproportionale Erhöhung Ausbildungsvergütungen
Außerdem soll es Öffnungsklauseln geben, wenn Arbeitnehmer freiwillig mehr arbeiten wollen. Sonderzahlungen und Urlaubsgeld sollen auf den Monatslohn verteilt werden können.
Verhandlungsführer Dr. Hubertus Dieckmann: „Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds wollen wir mit unserem Angebot ein Zeichen des Einigungswillens setzen. Für uns ist klar, dass wir unsere Branche nur gemeinsam stärken können. Dazu passen die Forderungen der IG Metall aber nicht – im Gegenteil. Mit ihren Vorstellungen geht die Gewerkschaft weit über das für die Unternehmen Machbare hinaus. Völlig unverständlich ist darüber hinaus, dass die IG Metall kein Interesse an einer deutlichen Steigerung der Ausbildungsvergütung hat.“
Verhandlungsführer Dieckmann wies auf die in dieser Tarifrunde höchst engen Verhandlungsspielräume hin: „Wir können keine Angebote machen, die unseren Unternehmen angesichts des allgemeinen Umfelds die Wettbewerbsfähigkeit nimmt. Inzwischen ist uns allen klar, dass unsere Wirtschaft angesichts der internationalen Lage und des Reformstaus noch länger als erwartet in der Rezession feststecken wird. Als Leidtragende der allgemein angeschlagenen Wirtschaftslage in Deutschland, aus der es aktuell noch keinen Ausweg gibt, müssen wir einen maßvollen Tarifabschluss hinbekommen, der auch Wege für freiwillige Mehrarbeit eröffnet.“
Auf Vorschlag der Arbeitgeber vertagte sich die Runde. Die Tarifverhandlungen werden am 16. Juni fortgesetzt.
Zu intex:
Die intex Mitglieder versorgen ihre Kunden mit Textilien wie Berufskleidung, Hotel-, Restaurantund Krankenhauswäsche. Auch Waschraumhygiene, Schmutzfangmatten, Putztücher und Arbeitsschutzartikel (PSA) zählen zu den Angeboten. Ihre Kunden stammen in erster Linie aus dem Gesundheitswesen, dem Handwerk, der Industrie, der Gastronomie sowie der öffentlichen Hand. In den von intex vertretenen Unternehmen arbeiten rund 13 000 Beschäftigte in Deutschland.